Wohl bekomms! 

 

 Ganz unten: Wein und Wahrheit 

 

 

 

 

 Ganz klassisch 

 

 Sohn Tantalus zu Niobe: 

 "Die Teewurst, ist die Bio?" - "Nee." 

 

 

 

 

 Ente kross 

 Du sahst sie oft am Deich, in Tümpeln 

 In Seen und in Teichen dümpeln, 

 Mit Federn, schwarz als wie die Nacht; 

 Drum hielt sie nächtens nie die Wacht. 

 

 Die Bäuerin der Trauerente 

 Den Kopf vom Leib mit "Aua" trennte. 

 Wie solcher Szenen Hasser weiß: 

 Gleich rupft man sie mit Wasser, heiß, 

 

  Läuft Blut in Schlachtbrett's Rinne ein, 

 Ins Schälchen gleiten Innereien, 

 Wird dann in Grünbetts Schoß gesetzt, 

 Von Schlemmern für die Soß geschätzt. 

 

  Der Koch bei Rostes Ritze schwöre, 

 Daß nicht zu heiß die Schwitzeröhre 

 Und fachgerecht er 'n Braten rüste, 

  Daß goldigbraun geraten Brüste. 

 

 Wer's riecht, braucht kein' Beweis, er merk: 

 Hier lacht der Kochkunst Meisterwerk! 

 Welch Augenfreud, der Tafel Kleinod... 

 "Und nun - schenk ein, Claude!" 

 

 

 

 

 Grünkohl, Grünkohl über alles? 

 

 (Da sagte Max ganz leise: "Schiet, 

 Ich find dich ja so Scheiße, Lied!" 

 

 Beim Beaujolais wir hocken, scherzen 

 Und dippen Artischockenherzen. 

 Um Sechs wollen wir bei Uschi sein, 

 Da schlemmen wir uns Suschi ein. 

 

  Die Lippen sich der Schmecker leckt, 

 Paella richtig lecker schmeckt. 

 Verführt ist durch Frau Adas List, 

 Wer ihre Enchiladas ißt. 

 

 Aus Ghana: Fante-Fante - toll! 

 Quatscht Peter seine Tante voll. 

 Und Hendln aus der Steiermark 

 Find nicht nur Seppl Meyer stark. 

 

 Vom Tamarind trinkt Hagen Saft, 

 Der schmeckt dem Hagen sagenhaft. 

 "Lumumba - Rum mit Schokolade - 

 Den gibt es nicht in loco? - Schade!" 

 

 Für Meier, Schmitten, Pohl und Kinkel 

 Bedeuten Alptraum Kohl und Pinkel. 

 Und Eisbeinlust ist's Erbe dessen, 

 Der dumpf gewöhnt ans derbe Essen. 

 

 

 

 

 Der Sternekoch 

 

 Als Sternekoch glamierte Sören, 

 Erfand im Dampf glasierte Möhren. 

 Der Gäste Lob behagte Sören, 

 Konnt ständig das Besagte hören. 

 

 "Du mußt bei unseren Seelen schwören: 

 Laß nie Filets verschwelen, Sören!" 

 "Bing Eier von den Stören, Sören!" 

 Nie würd solch Reden Sören stören. 

 

 "Ihr redet wie besorgte Gören!" 

 Champagner drauf entkorkte Sören. 

 "Magst Trüffeln?" Fragte Sören Hagen. 

 "Die kenn ich nur vom Hörensagen." 

 

 

 

 Weihnachtsmahl 

 Bei Hunger ist es angemessen, 

  Zu sich zu sagen: "Mann, geh essen!" 

 Doch was wir in den Kragen mampfen, 

 Läßt allzu leicht den Magen krampfen. 

 Und weil wir eine Menge aßen, 

 Die Hemden bald zu enge maßen.  

 

 

 

 Ohne Titel 

 Sag, läßt du wohl das Zappen, Ella, 

 Für Moselwein und Appenzeller? 

 Für Beaujolais und Gorgonzola?! 

 ***  

 Ach, kannste denn nicht Chips besorgen? Cola? 

 

 

 

 Petri Heil! 

 Nach Angelhaken-Schleiferei 

 Fing Max im Teich 'ne reife Schlei. 

 Marie kocht wie Forelle sie 

 In Essig blau, mit Sellerie. 

 Nur darauf hat ihr Mann geacht': 

 Daß sie mit Butter angemacht. 

 

 

 

 Mittelmeerdiät 

 In Spanien aß Jens Petermann 

 Fast jeden Tag ein Meterpan 

 Zu Tapas aus Gemüsen, Fischen, 

 Die sich zu Pulpofüßen mischen... 

 

 Dann Schinken vom Ibero-Schwein, 

 Oh je, Guarnatsch  macht schwer oh Bein... 

 Auch Knoblauch und Tomaten, Salz, 

 Dann Saft von Gerstensaaten, Malz, 

 

 Und Salchichón, Chorizo fein 

 (Am liebsten steckst de Fiess oh rein)... 

 Am Ende dieser Wonnentage 

 Benötigt Jens 'ne Tonnen-Waage. 

 

 Antithese: 

 

 Vorweg verbrannter Flattermann, 

 Und danach dann ein matter flan. 

 

 

 

 

 Gewürzbord leer 

 

 Wachholder, Piment gern zum Reh Ali tät; 

 Doch dem steht entgegen die Realität. 

 "Kommt erstmal zum Tee", Ali rät. 

 

 

 

  Röstaromen 

 Nun kühl nicht deinen Hass, Gerd, 

  Am Gasherd! 

 

 Es tut sich mit Gerüchen kund, 

 Und Qualm erfüllt das Küchenrund. 

 Ach, taugt der teure Spitzenreis 

 Dem Maurer noch als Ritzenspeis? 

 Die Lendchen lange waren gut, 

 Und jetzt kann nur noch garen Wut. 

 

 

 

 Nachkriegszeit 

 

 Es gab damals in den Trizonen 

 Nach Ende des Kriegs wenig Bohnen. 

 Die Blauen hatte man satt, 

 Man aß jetzt Rüben anstatt, 

 Und träumte von Speck und Zitronen. 

 

 

 

 Gespenstisch 

 

 Wer vor einem Alptraum flieht, 
 Trinke einen Gildemeister. 
 Dieser stimmt die Geister milde, 

 Sagt man in der Meistergilde. 

 Wenn er dann Gespenster sieht,  
 Sind es meistens milde Geister.  

 

 

 

 

 Angepflaumt 

 

 Maruschka lallt keck, der Marek lallt kecker: 
 Ein Slivović, der schmeckt nur kalt lecker! 

 Nun hört mal den Marek, wie keck er lallt: 

 Dem wird ja auch niemals der Lecker kalt. 

 

 

 

 

 Dick und rund 

 

 "Ich esse jetzt so viele Kǿttbullar, 

 Daß nächtens ich aus meinem Bǿtt kullar!" 

 

 

 

 Ratschlag 

 

 Beim Chinamann die Kunden heulen, 

 Servierst du von brav Hunden Keulen.  

 Im Feuertopf, dem schmalen Becken, 

 Dürft's einzig Kannibalen schmecken. 

 Deshalb vermeid das Hunde-Keulen, 

 Zum Dank wird nie ein Kunde heulen. 

 

 

 

 Versuchung 

 Oder: Der Fummelrest vom Rummelfest 

 

 Ein Gefühl beschlich ganz sachte mich: 

 Daß es nicht so prächtig machte sich, 

 Was mein Gaumen gerade dachte sich... 

 Punkt! Ich esse jetzt ganz esdachte dich! 

 

 * 

 

 "Die Schlacht ist beendet, und still ruht der Tisch, 

 Verwaist liegen Teller und Platten, 

 Die hoch im Gewoge des Festes viel Fisch 

 Und Braten geboten uns hatten. 

 

 Ein vorletzter Brocken, der grinst mich frech an. 

 Man nötigt mich, ihn zu verspeisen. 

 Rot Scham und Verlocken, sie fechten mich an. 

 Mein Innerstes droht zu zerreißen! 

 

 Mal flüsterts im Kopf wie Welch Hochgenuß

 Mal: Gib dich nicht etwa geschlagen! 

 Doch eh man mich schließlich noch schlagen muß: 

 Dich eß ich, verdammt, jetzt - als Magenschluß!" 

 

 

 

 

 Quakers Cruesli 

 Volksweisheit: Wer nie sein Brot im Bette aß, 

 weiß nicht, wie Krümel pieken. 

 

 Am Morgen eß' ich Stuten gern. 

 Dann hat der Tag 'nen guten Stern. 

 Denn wenn im Bett ich Cruesli mümmel, 

 Pieken ohne Frage 

 Mich mindestens drei Tage 

 Darauf die Müslikrümel. 

 

 

 

 

 Fleischfresser 

 

 "Kommt der Hermann heim vom Tiefbau, 

 Wird's früh Zeit, daß ich das Beef tau'. 

 Kartoffeln sind, und Reis, nicht wichtig. 

 Gemüse? Ach, ich weiß nicht richtig..." 

 

 

 

 Genießer 

 

 Genießer war Wolfgang aus Soest. 

 Schon immer hat eins ihn erboest: 

 Das Ketschup bei Tische 

 Zum edelsten Fische... 

 Drauf läßt er den grimmigsten Toest. 

 

 

 

 

 Hausschlachtung 

 

 Ist das Schwein erstmal geschlachtet, 

 Wird's zum Wassertrog verfrachtet, 

 Schrubbt man es und brüht die Wutz, 

 Nimmt ihr jeden Schweineschmutz. 

 Denn: wird aus dem Steiße Schinken, 

 Soll der nicht nach Unrat stinken. 

 

 Am Ende hat man's eingeschweißt, 

  Zuvor zerlegt, dann's Schwein geeist. 

 

 

 

 

 Winterkost 

 

 Der Winter schockt mit Flockentraumen, 

 Dem Wanste helfen Trockenpflaumen. 

 Ins Müsli müssen Roggenflocken, 

 Wenn draußen wild die Flocken rocken. 

 

 

 

 

 Abspeck-Folter 

 

 "Seit Wochen ist mein Bauch leer!" 

 "Kein Schnitzel, keinen Lauch, Bär! 

 Nur Haferschleim und Breilein 

 Laß in den dicken Leib rein!" 

 

 "Mein armer, armer Leerbauch 

 Will Braten, Soß' mit Bärlauch! 

 (Auch wenn ich nur an Mampf dacht -

 Wie gut, wenn man mal Dampf macht!" 

 

 

 

 

 

 

 

 W e i n  u n d  W a h r h e i t . . . 

 

 Jedem seinen Leibwein - Ob Männlein, oder Weiblein! 

 

 

 Badischer Wein 

 

 Von Sonne verwöhnt 

 In Wonne versöhnt. 

 

 

 

 

 Wehrhafte Vorliebe 

 

 Ein Ehepaar lebt an der Osel, 

 Vernarrt in den Wein von der Mosel. 

 Und wehe, ein Fiesling 

 Vermiest ihm den Riesling - 

 Dann kriegt er's zu tun mit Frau Rosl! 

 

 Den Krückstock schwang Frau Rosl: "Miesling, 

 Vermies uns nicht den Moselriesling!" 

 

 

 

 

 Höchste Anerkennung 

 

 Der Anblick eines Faß Weines 

 Ist doch was Feines! 

 

 "Der Wein, der schmeckt ja fein, was?!" 

 "Ganz frisch, ja, aus dem Weinfaß." 

 "Ihn aus der Kelter saufen?" 

 "Dann lieber Selter kaufen." 

 

 

 

 

 Winzerstolz 

 

 Es sprach mal ein Winzer aus Steinberg, 

 "Ich hoffe doch, daß man's am Wein merk: 

 Ist der nicht oho?! 

 Von höchstem Niveau! 

 Ein Markenwein, und schließlich  mein Werk!" 

 

 

 

 

 Abenteuer des Kay Pirinha 

 

 Wenn vom Blau die Hitze sengt, 
 Kay in seinem Sitze hängt. 
 Gleich will in ihm gären Wut: 
 Stücken-Eise wären gut! 


 Eismaschin' hat feine Art. 
 Auf, zum Händler eine Fahrt! 
 "Du willst mit uns frosten, Kay? 
 Dann trinkst du jetzt kostenfrei 


 Alles was du siehst rundum: 
 Bier und Wein und Gin und Rum ..." 
 Runden jagen Runden stumm, 
 Und bald sind zwei Stunden rum. 


 Wollte später wann zu Anken, 
 Doch die Bar fängt an zu wanken. 
 Jetzt hat Kay 'nen taffen, ihr 
 Glaubt es nicht, ein Affentier, 


 Welches seinen Nacken zwickt 
 Und bei jedem Zwacken nickt. 

 Denkt Kay auch: "Ich schlaffe ab" - 

 Niemals macht der Affe schlapp. 

 

 Schnapsglas hoch, die Welle steigt. 
 Aff nicht von der Stelle weicht. 
 Andren Morgen will Kays Affe 
 Eines nur: viel Eiskaffee ! 

 

 

 

 

 Geisterbahn 

 

 Der herrlich süff'ge Badenwein, 

 Er kniff uns zwei ins Wadenbein. 

 Sein Geist erschien uns beiden, Wahn! 

 Am Flusse bei der Weidenbahn. 

 

 

 

 Hoher Anspruch 

 

 Ein Winzer vom Rheine aus Bingen 

 Will spornstreichs Frau Silke beringen 

 (Gebürtig aus Peine, 

 Liebt Lyrik und Weine). 

 Muß kelternd jetzt Rilke besingen. 

 

 

 

 

 Alkoholische Aversionen 

 

 Mir macht schon das Wort Pein:

 Billiger Portwein! 

 Und nur bitterer Vermouth --

 Mehr Wut. 

 Wer liebt Malvasia? 

 Oh Herr, salva mia! 

 

 

 

 

 

 © Peter Möck, Berlin 

 

 

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